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Elektronische AU (eAU)

Lesezeit: 4 Minuten
Veröffentlicht: 30. Dezember 2021
Aktualisiert: 9. März 2022
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit Kalender

Die gedruckte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat bald ausgedient und wird zum 1.7.2022 digitalisiert. Was heißt das für die Mitarbeiter? Und welche neuen Anforderungen kommen auf die Unternehmen zu?

Mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung attestiert der Arzt die voraussichtliche Krankheitsdauer sowie den Nachweis, dass der Arbeitnehmer in dem Zeitraum aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls von der Arbeit befreit ist. Jede Krankmeldung wird in dreifacher Ausfertigung erstellt: jeweils eine für den Arbeitnehmer und Arbeitgeber und eine für die Krankenkasse mit Angabe der Diagnose. So werden jährlich ungefähr 77 Millionen Krankmeldungen in dreifacher Ausfertigung gedruckt. Der Nachweis bescheinigt dem Unternehmen zum einem die voraussichtliche Krankheitsdauer und zum anderen den ersten Tag der Krankmeldung für die Fortführung der Gehaltszahlung bis zum 42. Tag. Erst ab dem 43. Tag übernimmt die Krankenkasse die Lohnfortzahlung krankgeschriebener Mitarbeiter und befreit den Arbeitgeber von weiteren Lohn- und Gehaltszahlungen.

Was ändert sich zum 1.7.2022 mit der eAU?

Der Arzt übermittelt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitnehmer verschlüsselt an die Krankenkasse. Diese wird dann von der Krankenkasse zum Abruf für die Arbeitgeber an den GKV-Kommunikationsserver weitergeleitet. Der Arbeitnehmer erhält auch in Zukunft zur Beweissicherung vom Arzt eine Krankmeldung in Papierform, für den Fall der Fälle, dass im digitalen Übertragungsprozess ein Fehler entstehen könnte. Trotz der Digitalisierung ist der Mitarbeiter auch weiterhin verpflichtet, sich unverzüglich nach Bekanntwerden der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitergeber krank zu melden.

Abruf der eAU

Für den elektronischen Abruf der Krankmeldungen muss sich der Arbeitgeber zunächst eine Absendernummer und ein kostenpflichtiges Zertifikat beim TrustCenter der Informationstechnischen Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung (ITSG) beantragen. Erst mit diesen Zugangsdaten erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitsunfähigkeiten in elektronischer Form vom Server der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung) abzurufen. Nach aktuellem Stand können die Daten durch die zeitversetzte Übermittlung des Arztes an die Krankenkasse und die weitere Übermittlung an den GKV-Server frühestens am Folgetag der Krankmeldung abgerufen werden. Auch bei einer Verlängerung der AU ist der Abruf frühestens am Folgetag möglich und kann unter Umständen bis zu 5 Tage dauern.

Der Abruf der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) vom GKV-Server ist dem Arbeitgeber nur dann gestattet, wenn sich der Mitarbeiter zuvor unter Angabe der voraussichtlichen Dauer krankgemeldet hat. Eine globale Abfrage für alle Mitarbeitern ist nicht erlaubt. Außerdem ist zu beachten, dass der Abruf nur bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern funktioniert. Privat Versicherte bzw. Minijobber sind von diesem Verfahren ausgenommen.

Abbildung eAU Prozess

Start der Pilotphase am 1.1.2022

Der allgemeine Prozess ist an vielen Stellen noch nicht rund. Deshalb werden auch wir von digital ZEIT an der am 1.1.2022 startenden Pilotphase aktiv teilnehmen, um die ersten Erfahrungen mit der eAU zu sammeln. Unser Ziel ist es, möglichst bald einen integrierten und automatisierten Abruf der eAU für die AVERO® Zeiterfassung bereitzustellen und unseren Kunden so die Personalarbeit weiter zu erleichtern.

Unsere Einschätzung der Digitalisierung

Die jährlich 77 Millionen auf Papier gedruckten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind nicht gerade umweltfreundlich und ressourcenschonend. Noch dazu verzögert sich der gesamte Prozess durch den Postversand. Daher haben die meisten Krankenkassen schon seit einiger Zeit den digitalen Prozess für Arbeitnehmer eingeführt und eine Scanfunktion für Krankmeldungen in ihren Apps integriert, um wenigstens diesen Postweg zu reduzieren.

Nun sollen ab 2022 die restlichen Prozessschritte ebenfalls digitalisiert werden, um auch eine Erleichterung für die Arbeitgeberseite zu erreichen. Ziel der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ist es, dass die Krankmeldungen von den Krankenkassen digital auf einem zentralen Server zum Abruf für die Arbeitgeber bereitgestellt werden. Doch aufgrund der Komplexität des Prozesses ist dies nur eine geringe Erleichterung für Arbeitgeber. Deswegen gehen wir noch einen Schritt weiter und werden ab 2022 in der kommenden AVERO® Version 12.0 eine Schnittstelle integrieren, um die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen direkt in die Zeiterfassung zu importieren und so einen echten Mehrwert für Unternehmen zu schaffen.

Aktualisierung vom 9.3.2022

Nachdem die verpflichtende Einführung des elektronischen Rezepts bereits vor einigen Wochen von Juli 2022 um 6 Monate auf Januar 2023 verschoben wurde, hat das Bundesgesundheitsministerium nun eine Verschiebung der Einführung von elektronischem Rezept sowie auch der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) bestätigt. Aktuell seien die beiden Themen noch nicht ausgereift, um tatsächlich flächendeckend umgesetzt zu werden. Die Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI) in den Arztpraxen seinen fehleranfällig und führen zu Frust bei Ärztinnen und Ärzten. Darüber hinaus gibt es keinen spürbaren Nutzen für Ärzte, Patienten sowie Unternehmen. Nach ausreichend intensiven Testungen sollen beide Anwendungen dennoch umgesetzt werden. Der geplante Zeitpunkt ist hierfür aber aktuell noch offen.

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