Schichtmodell Wegweiser Frühschicht Spätschicht Nachtschicht

Schichtmodelle

Sobald sich die täglichen Arbeitszeiten Ihrer Mitarbeiter nach wiederkehrenden Mustern verändern - z.B. alle drei Tage oder wöchentlich - ist von einem Schichtmodell die Rede.

Lesezeit: 6 Minuten
Schichtmodell Wegweiser Frühschicht Spätschicht Nachtschicht

Schichtmodelle

Sobald sich die täglichen Arbeitszeiten Ihrer Mitarbeiter nach wiederkehrenden Mustern verändern - z.B. alle drei Tage oder wöchentlich - ist von einem Schichtmodell die Rede.

Lesezeit: 6 Minuten

geschrieben am 31. März 2021

Definition Schichtmodell – Was steckt dahinter?

In der Schichtarbeit variieren die Arbeitszeiten zwischen Tages- oder Nachtschichten, zwischen Früh- und Spätschicht sowie einem Wechsel zwischen diesen Möglichkeiten. Normalerweise besteht eine Schicht aus 8 Zeitstunden – es sei denn, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag enthalten eine andere Vorgabe.

Die unterschiedlichen Schichtmodelle geben Muster vor, nach denen die Arbeitsstunden der Beschäftigten innerhalb eines Tages oder auch einer Woche eingeteilt werden. Jeder Mitarbeiter arbeitet schließlich nach einem für ihn zugeschnittenen Schichtplan.

Je besser der Einsatz des Personals geplant wird, desto eher und leichter werden auch die Ziele des Unternehmens erreicht.

Zu beachten ist

Alle Modelle haben Vor- aber auch Nachteile für Arbeitnehmer und Unternehmen. Diese sollten vor der Schichtplangestaltung durchdacht werden, um schließlich die beste und angenehmste Lösung für beide Parteien zu finden. 

Oberstes Ziel eines guten Schichtmodells ist das Wohl des Mitarbeiters. Eine konkrete und überlegte Planung der Arbeitstage bietet den Angestellten Struktur und Regelmäßigkeit im persönlichen Alltag.

Unterschiede der Modelle:


Schichtsysteme finden sich hauptsächlich in Unternehmen, deren Produktionen oder Dienstleistungsangebote durch die reguläre Tagesarbeitszeit nicht abgedeckt werden können. Insbesondere in Krankenhäusern, Altenheimen oder weiteren Pflegeeinrichtungen ist eine Dienstleistung rund um die Uhr erforderlich.

In diesem Sektor fällt oft das Wort Schichtdienst, während im produzierenden Gewerbe von Schichtarbeit gesprochen wird. Durch die unterschiedlichen Schichtsysteme halten die Betriebe ihre Arbeitsprozesse effizient am Laufen und sparen Zeit sowie Kosten für Produktion und Lieferungen. Oder ermöglichen im Fall von Krankenhaus und Altenheim eine Betreuung rund um die Uhr.

Die Anforderung an das Schichtmodell orientiert sich immer an der Branche, für die es eingesetzt wird. So arbeiten Produktionsunternehmen nach anderen Schichtfolgen wie zum Beispiel Polizei und Feuerwehr oder Krankenhäuser und Altenheime.

Schichtarten:

Schichtarbeit oder Schichtdienst teilt sich hauptsächlich in 3 – 4 Schichtarten auf: Früh-, Spät- oder Nachtschicht. In einigen Betrieben gibt es auch noch eine Art Zwischenschicht.

Arten von Schichtmodellen

Aufzählung 1

Das vollkontinuierliche Schichtmodell

Es wird 24 Stunden am Tag an allen Wochentagen gearbeitet. Dieses Schichtsystem besteht zumeist aus einer Frühschicht, einer Spätschicht und einer Nachtschicht. Zusätzlich gibt es in manchen Fällen eine weitere Tagschicht.

Aufzählung 2

Das teilkontinuierliche Schichtmodell

Im Gegensatz zur vollkontinuierlichen Version ist bei diesem Modell das Wochenende frei. Nur an 5 Tagen der Woche laufen die Schichten (auch hier Früh-, Spät- und Nachtschicht) rund um die Uhr.

Eine alternative Variante der teilkontinuierlichen Form sind Arbeitsschichten ohne Nachtarbeit. So kann es sein, dass der Betrieb zwar an 7 Tagen der Woche läuft, aber nachts nicht gearbeitet wird. Unternehmen, die nach diesem Modell arbeiten, sind zum Beispiel der Einzelhandel am Flughafen, Sicherheitsdienste, Callcenter oder der Mietwagenverleih.

Aufzählung 3

Modell nach Schichtanzahl

Es gibt Zweischichtbetriebe mit unterschiedlichen Tagschichten, die dem teilkontinuierlichen Schichtmodell ohne Nachtarbeit entsprechen. Sofern in zwei Schichten gearbeitet wird, kann aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Höchstarbeitszeit keine Nachschicht stattfinden.

Ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb ist nur im Dreischichtmodus möglich. In diesem Fall handelt es sich wiederum um das vollkontinuierliche Schichtmodell. Allerdings sind Unternehmen gut beraten, wenn sie einen Vier- oder Fünfschichtbetrieb nutzen, da nur dann die gesetzlich geregelten Arbeitszeiten pro Woche eingehalten werden können.

Was sollte ein guter Schichtplan enthalten?

  • den Namen des Beschäftigten sowie Angaben zu seiner Qualifikation
  • Infos zur vertraglich vereinbarten Sollarbeitszeit
  • Ort und geplanter Zeitraum seines Einsatzes
  • Angaben zu Überstunden und freien Tagen
  • besondere genehmigte Hinweise
  • Datum der Planung
  • Unterschrift der Führungskraft

Vor- & Nachteile von Schichtmodellen

Alle oben genannten Schichtmodelle weisen Vorteile aber genauso auch Nachteile auf. Das hängt auf der einen Seite mit den Vorlieben der Arbeitnehmer zusammen. Auf der anderen Seite spielen die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens eine große Rolle. Insbesondere die Arbeit in der Nacht ist für Körper und Psyche der Mitarbeiter sehr anstrengend. Sofern möglich sollten Arbeitgeber daher auf die Einführung von Nachtschichten verzichten.

Außerdem ist auch die Länge einer Arbeitsschicht für die Mitarbeiter entscheidend: Zu kurze Schichten verlangen vom Arbeitnehmer mehrfach am Arbeitsplatz zu erscheinen. Lange Schichten bieten die Möglichkeit, flexibel andere Wochentage freizunehmen. Wichtig ist, für beide Parteien eine Vereinbarkeit zwischen Schichtarbeit und Freizeit zu finden, damit langfristig Effizienz des Unternehmens und Zufriedenheit der Mitarbeiter aufrechterhalten werden.

Gute Schichtmodelle sind individuell auf die Bedürfnisse und die Abteilungen des Unternehmens zugeschnitten. Eine optimale Planung braucht die nötige Sachkenntnis und eine gute Koordination. Daher ist es sinnvoll, einen Experten zur Beratung hinzuzuziehen.

Aus Perspektive des Arbeitgebers

Vorteile

  • Erweiterte Betriebszeiten
  • Großer Mehrwert für den Kundenservice durch z.B. 24-Stunden-Service
  • Kostenersparnis durch optimales Nutzen von Produktionsanlagen und Maschinen
  • Flexibilität und schnelleres Agieren bei großer Auftragslage

Nachteile

  • Finanzielle Zuschüsse für Nachtschicht oder Wochenendarbeit
  • Mitarbeiterzufriedenheit könnte sinken, aufgrund der gesundheitlichen Belastung
  • Schichtmodelle bieten wenig Flexibilität im Vergleich zu anderen Arbeitszeitmodellen
  • Intensivere Koordination, Planung und Organisation notwendig
  • Bei kleinen Teams kann es aufgrund von Krankheit und Urlaub zu Problemen im Schichtablauf kommen

Aus Sicht des Mitarbeiters

Vorteile

  • Mehr Flexibilität dank freier Tage in der Woche (z.B. für Friseurtermine, Arztbesuche, Freizeitaktivitäten)
  • Wechselschichten bieten wochentags mehr Zeit für die Familie
  • Finanzielle Zuschüsse für Nacharbeit und Wochenendschichten

Nachteile

  • Möglicherweise Schlafprobleme durch Schichtarbeit
  • Gesteigertes Risiko für Erkrankungen, da der Tages- und Nachtrhythmus wechselt
  • Aufgrund von Wochenendarbeit und Spät- oder Nachtschichten sind z.B. Aktivitäten im Verein oder Sportclub komplizierter
  • Familienleben und Treffen mit Freunden richten sich nach den Schichtrhythmen

Gesetzliche Regelungen für die Schichtplanung

Wenn Arbeitgeber flexible Schichtmodelle erstellen, müssen sie sowohl Regelungen des Arbeitszeitgesetzes als auch Rahmenbedingungen aus Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen berücksichtigen. In erster Linie gilt es, die durchschnittliche Arbeitszeit pro Tag von 8 Stunden innerhalb von 6 Monaten einzuhalten. Gesetzlich festgehalten ist dies im § 3 des ArbZG.

Außerdem stehen jedem Mitarbeiter während seiner Arbeitszeit Pausen in vorgegebener Länge zu. Bei einer Arbeit von 6 bis 9 Stunden sind es 30 Minuten. Liegt die Arbeitszeit über 9 Stunden, muss die Pause mindestens 45 Minuten lang sein (§ 4 ArbZG). Zwischen den einzelnen Arbeitstagen ist außerdem eine Ruhezeit von 11 Stunden (§ 5 ArbZG) vorgegeben. Dies ist nicht in jedem Bereich der Arbeitswelt möglich – so bei Stellen mit Rufbereitschaft.

Für Nachtschichten gelten die gleichen Regeln wie für die Arbeit am Tag. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wird nachts mehr als 8 h gearbeitet, müssen Arbeitnehmer die Überstunden in einem Zeitrahmen von 4 Wochen wieder ausgleichen. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dem Mitarbeiter dafür genügend freie Tage einzuplanen. Wer nachts arbeitet, sollte sich darüber hinaus regelmäßig beim Arzt durchchecken lassen. Die Kosten dafür hat der Arbeitgeber zu tragen. Diese und weitere Infos finden Sie im § 6 des Arbeitzeitgesetzes.

Neben dem Arbeitszeitgesetz enthalten oft auch Tarifverträge zusätzliche Bestimmungen zur Schichtarbeit.

Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, ist dieser für die Entscheidung zur Schichtplanung und Auswahl des passenden Modells laut §87 BetrVG mit einzubeziehen.

Planung von Modell & Schicht

Damit alle Prozesse im Unternehmen reibungslos ablaufen, ist es wichtig, Schichtfolgen anzulegen, die auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Blick behalten. Zumeist wird der Schichtbetrieb „vorwärts rotierend“ verwendet.

Bei dieser Schichtfolge gibt es Früh-, Spät- und Nachtschichten. Außerdem werden anschließend zwei freie Tage eingeplant. Achtung: Die Herausforderung bei der Planung ist es, die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit beim Schichtwechsel einzuhalten.

Schichtmodell 1
Schichtmodell 2

Jederzeit steht die Gesundheit der Beschäftigten an erster Stelle. Arbeitgeber sollten daher besonders auf einen optimalen Rhythmus der Arbeitsschichten achten. Langfristig sollen so gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme, vermieden werden.

Das Arbeitszeitgesetz sagt aus, dass für die Konzeption von Schichtplänen arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Betrieb hinzugezogen werden sollen.

Außerdem gibt es folgende Empfehlungen von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

  • Schichtpläne transparent und zugänglich halten
  • Die Phasen der Nachtschicht möglichst kurz planen
  • Eine Erholungszeit von mind. 24 Stunden nach der Nachtarbeitsphase
  • Wünsche der Mitarbeiter bei der Konzeption berücksichtigen
  • Gestaltung ergonomischer Arbeitsplätze

Hinweis

Heutzutage können Sie Ihre Schichtpläne einfach online erstellen. Verschiedene Tools bieten einfache und zuverlässige Möglichkeiten, Schicht- und Dienstpläne digital anzulegen. Dabei gestalten Sie unterschiedliche Schichtfolgen und die Einteilung der Teams in Schichtgruppen mit wenigen Klicks. Jeder Mitarbeiter hat schließlich online Zugriff auf seinen individuellen Schichtplan.

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