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Vertrauensarbeitszeit

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Lesezeit: 11 Minuten
Hand mit Armbanduhr im Hintergrund die Tastatur eines Laptops
Hand mit Armbanduhr im Hintergrund die Tastatur eines Laptops

Was ist Vertrauensarbeitszeit?

Das Arbeitszeitmodell der Vertrauensarbeitszeit beruht – wie der Begriff schon andeutet – auf Basis des Vertrauens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für den Arbeitgeber steht das Ergebnis aller vereinbarten Aufgaben, To-Do´s und Projekte an erster Stelle. Der Arbeitnehmer erledigt alle ihm zugeteilten Arbeiten nach freier Zeiteinteilung. Die Zeit, die er dafür benötigt, wird nicht von einem Vorgesetzten kontrolliert.

Durch die Vertrauensarbeitszeit gewinnt jeder Beschäftigte ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, aber gleichzeitig auch viel Freiheit und Flexibilität am Arbeitsplatz. Im Fall der Vertrauensarbeitszeit gilt also definitiv nicht das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Dieses Vertrauensmodell eignet sich sehr gut für Arbeitnehmer, die flexible Strukturen brauchen und Projekte oder Aufgaben unabhängig und selbstständig umsetzen können.
Beispiele sind: Entwicklungsingenieure, die Kreativbranche oder Außendienstler. Sobald feste Präsenzzeiten gelten – wie in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, im Einzelhandel oder im Schichtbetrieb – ist Vertrauensarbeitszeit nicht möglich.

Das Wichtigste zur Vertrauensarbeitszeit auf den Punkt gebracht

  • Keine betriebliche Zeiterfassung
  • Es existiert in der Regel keine Kernarbeitszeit.
  • Manche Unternehmen geben aber einen bestimmten Zeitrahmen vor, innerhalb dessen Grenzen gearbeitet wird
    (z. B. von 7:00 Uhr bis 20 Uhr)
  • Regelungen des Arbeitszeitgesetzes gelten weiterhin

Wie läuft Vertrauensarbeitszeit in der Praxis?

Die Pflicht des Arbeitnehmers besteht darin, alle Arbeiten zuverlässig und in angemessener Zeit zu erfüllen. Er ist selbst dafür zuständig, seine Arbeitszeiten einzuteilen und diese für sich aufzuzeichnen. Denn: Überstunden werden bei diesem Zeitmodell nicht ausgezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen. Liegt weniger Arbeit als normalerweise vor, kann der Arbeitnehmer früher in den Feierabend starten. Im Umkehrschluss arbeitet er dagegen bei größerem Arbeitsaufkommen wieder länger. In der Regel gleicht sich das Verhältnis zwischen Minusstunden und Überstunden aus. Dennoch sollte der Arbeitnehmer seine Arbeitszeiten stets im Blick behalten oder auch erfassen, insbesondere dann, wenn sie über die im Arbeitsvertrag vereinbarten Zeiten hinausgehen.

Für den Arbeitgeber zählt dagegen allein das Arbeitsergebnis. Wie genau und wann sein Mitarbeiter die Arbeitsaufgaben im Unternehmen erledigt, stehen für ihn nicht zur Debatte. In dieser Hinsicht „vertraut“ er – wie das Wort Vertrauensarbeitszeit bereits anzeigt – seinen Arbeitnehmern voll und ganz.

Beide Parteien – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – sollten jedoch die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten im Hinterkopf behalten. Die rechtliche Verantwortung zur Einhaltung von arbeitsrechtlichen Regelungen liegt beim Arbeitgeber, sodass er sich letzten Endes bei einem Verstoß gegen Höchstarbeitszeiten, Mindestpausen oder Ruhezeiten strafbar macht.

Vertrauensarbeitszeit – ja oder nein?

Vertrauen ist nicht immer leicht. Doch Vertrauen zahlt sich meistens aus – so eben auch im Arbeitsleben. Tatsächlich ist es ein Geben und Nehmen und für alle Beteiligten – Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer – bringt dieses Arbeitszeitmodell viele Vorteile. Im Folgenden haben wir für Sie unterschiedliche positive Aspekte aber auch Nachteile zusammengestellt, die mit der Vertrauensarbeitszeit einhergehen können.

Die Vorteile für Arbeitnehmer

Der größte Gewinn für jeden Beschäftigten ist natürlich der Aspekt, selbst über die eigenen Arbeitsstunden zu bestimmen. So teilen Mitarbeiter sich die Anwesenheit im Unternehmen, Pausen und Arbeitsende komplett eigenständig ein.

Mitarbeiter vereinbaren berufliche Pflichten und privates Leben wesentlich leichter und freier. Damit einher geht eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit, die Leistungsfähigkeit und Arbeitseffizienz steigern kann.

Das Vertrauen des Arbeitgebers bringt Mitarbeiter in den Genuss, selbstständig ihren Arbeitstag zu organisieren und gleichzeitig in ein unternehmerisches Denken zu kommen.

Teamleiter oder Vorgesetzte kontrollieren grundsätzlich keine Arbeitszeiten. Dadurch reduzieren sich unproduktive Arbeitsphasen. Schließlich liegt der Fokus der Mitarbeiter auf der Erfüllung ihrer Aufgaben und der Arbeitsqualität.

Die Kollegen wachsen als Team zusammen, da im Vertrauensarbeitszeitmodell inhaltliche oder zeitliche Absprachen unvermeidbar sind. Gemeinsam erreichen sie leichter und schneller vereinbarte Arbeitsziele.

Dank der Flexibilität und Freiheiten der Mitarbeiter verbessert sich das betriebliche Arbeitsklima. Das wiederum wirkt sich langfristig auf die Unternehmenskultur aus und optimiert auch diesen Bereich.

Nachteile aus Sicht der Arbeitnehmer

Je nach Auftragslage kann es dazu kommen, dass an einigen Tagen mehr gearbeitet werden muss. In diesen Fällen kann sich die Vertrauensarbeitszeit für das Personal als Nachteil auswirken, weil z.B. Freizeitaktivitäten darunter leiden.

Mitarbeiter müssen ihre erfassten Mehrstunden im Blick behalten, denn eine Überstundenvergütung findet in diesem Arbeitszeitmodell nicht statt. Auch der Ausgleich von Überstunden gegen Freizeit ist nicht möglich.

Beschäftigte sollten darauf achten, nicht zu viel Zeit am Arbeitsplatz zu verbringen. Denn aufgrund der fehlenden Arbeitszeitvorgaben neigen motivierte Mitarbeiter dazu, private Bedürfnisse und wichtige Ruhezeiten außer Acht zu lassen.

Insbesondere bei guter Auftragslage und großem Arbeitsaufwand kann es zu internen Konflikten kommen. Mitarbeiter sollten außerdem auf eine Überlastung oder eine Ausnutzung der Vertrauensarbeitszeit durch den Arbeitgeber achten.

Aufgrund der fehlenden Pflichtarbeitszeiten fallen zusätzliches Engagement und Mehrarbeit weniger auf oder werden gar nicht wahrgenommen.

Fehlen Vorgaben zur Erreichbarkeit im Betrieb kann es dazu kommen, dass Mitarbeiter sich verpflichtet fühlen, jederzeit erreichbar zu sein. 

Die Vor- und Nachteile für Arbeitgeber

So profitieren Unternehmen

Bei Bedarf und größerem Arbeitsaufkommen arbeiten die Beschäftigen länger. Diese längeren Arbeitszeiten über einen gewissen Zeitraum gleichen sich im Gegenzug wieder aus, wenn in bestimmten Monaten des Jahres weniger Aufträge anstehen.

Da Arbeitsstunden nicht abgesessen und geleistete Überstunden nicht ausbezahlt werden, reduzieren sich die anfallenden Personalkosten. 

Arbeitgeber erfassen keine täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeiten ihrer Belegschaft. Aus diesem Grund fällt der administrative Aufwand einer Zeiterfassung für sie weg.

Durch die flexible Arbeitseinteilung und das hohe Maß an Selbstständigkeit für die Mitarbeiter schafft der Arbeitgeber eine positive Vertrauenskultur in seinem Betrieb.

Wer schneller und effektiver arbeitet, kann eher den Feierabend antreten. Damit steht die Erledigung aller Aufgaben im Fokus des Mitarbeiters.

Eine Arbeitsumgebung, in der Vertrauen an erster Stelle steht, macht Arbeitgeber um einiges attraktiver. Hinzu kommt der Faktor der flexiblen Arbeitszeit, welcher ebenfalls einen hohen Stellenwert am Arbeitsmarkt innehat.

Nachteile auf Arbeitgeberseite

Mitarbeiter managen Aufgaben und Zeiten selbst. Sie brauchen diese nicht nachweisen. Dies ist nicht für jeden leicht. Es kann dazu kommen, dass einzelne Angestellte sich selbst unter Druck setzen und viel mehr arbeiten, als sie eigentlich müssten.

Arbeitgeber müssen ihrer Belegschaft zu 100 Prozent vertrauen. Sobald das Vertrauen in eine versteckte Form der Kontrolle übergeht, funktioniert das Konzept für beide Seiten nicht mehr und es kann zu einem schlechten Arbeitsklima führen.

Insbesondere wenn im Unternehmen viel zu tun ist und lange gearbeitet werden muss, kann es mitunter zu Konflikten kommen. Mitarbeiter fühlen sich überlastet und sorgen sich möglicherweise darum, dass lange Arbeitstage überhand nehmen.

Da Mitarbeiter ihre Zeiten im Unternehmen selbst einteilen, besteht die Gefahr, dass sie schlechter zu erreichen sind. Das erhöht den Aufwand, Teammeetings oder ähnliche Termine zu organisieren. 

Auch wenn eine Arbeitszeiterfassung aktuell noch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, müssen Arbeitgeber darauf achten, dass die Vorschriften zu täglicher Höchstarbeitszeit, Mindestpausen oder erforderlichen Ruhephasen eingehalten werden.

Selbstverständlich kann es vorkommen, dass Mitarbeiter die ungewohnten Freiheiten ausnutzen und die vereinbarten Ziele nicht konsequent umsetzen.

Was muss ich beachten, wenn ich Vertrauensarbeitszeit einführe?

Sie sollten sich klarmachen, dass Vertrauensarbeitszeit nicht heißt, dass jeder Beschäftigte frei nach Belieben arbeiten kann. Die Arbeitsqualität, der Service am Kunden und diverse weitere Faktoren, die letzten Endes über den Erfolg Ihres Unternehmens bestimmen, müssen unbedingt gewährleistet werden. Gleichzeitig ist es wichtig, die gesetzlichen bzw. tarifvertraglichen Regeln in Bezug auf Ihr Personal einzuhalten.

Umso wichtiger ist es, vorab klare Bestimmungen vorzugeben. Schließlich wollen Sie nicht, dass die positiven Aspekte der Vertrauensarbeitszeit hinten raus zu einem schlechten Betriebsklima oder einem Leistungsabfall ihres Unternehmens führen. Daher sollten Sie als Unternehmensleitung die neuen Gegebenheiten und Voraussetzungen gemeinsam mit Ihrem Betriebsrat strategisch durchdenken und insbesondere folgende Fragen berücksichtigen: 

Wie gewährleisten Sie die Einhaltung von Mindestpausen und Höchstarbeitszeit?
Wie dokumentieren Mitarbeiter geleistete Überstunden, um für sich den Überblick zu behalten?
Gibt es eine Meetingstruktur, damit Teamabsprachen leichter laufen. Eventuell sind regelmäßige, fixe Teammeetings sinnvoll?
Wollen Sie einen Zeitrahmen definieren, um dem Gefühl der ständigen Erreichbarkeit Ihrer Mitarbeiter vorzubeugen?

Wie wäre es mit einer Kernarbeitszeit?

Die Vertrauensarbeitszeit funktioniert hevorragend mit vorab geregelten Kernzeiten, innerhalb deren Grenzen Ihre Mitarbeiter die Arbeitszeit frei einteilen. Sie geben die Zeitblöcke vor und sorgen gleichzeitig dafür, dass gesetzliche Ruhezeiten nicht unterschritten werden oder bis zur Belastungsgrenze gearbeitet wird. Die Kernarbeitszeit dient außerdem dazu, Absprachen im Team zu erleichtern und das Miteinander unter den Kollegen zu fördern. Die Kombination der flexiblen Vertrauensarbeitszeit plus einer definierten Kernzeit ist mittlerweile weit verbreitet.

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