Vertrauensarbeitszeit

Definition, Vorteile und Nachteile des flexiblen Arbeitszeitmodells

Lesezeit: 7 Min.

Vertrauensarbeitszeit

Definition, Vorteile und Nachteile des flexiblen Arbeitszeitmodells

Lesezeit: 7 Min.

geschrieben am 20. Mai 2021

Was ist Vertrauensarbeitszeit?

Das Arbeitszeitmodell der Vertrauensarbeitszeit beruht – wie der Begriff schon andeutet – auf Basis des Vertrauens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für den Arbeitgeber steht das Ergebnis aller vereinbarten Aufgaben, To-Do´s und Projekte an erster Stelle. Der Arbeitnehmer erledigt alle ihm zugeteilten Arbeiten nach freier Zeiteinteilung. Die Zeit, die er dafür benötigt, wird nicht von einem Vorgesetzten kontrolliert.

Durch die Vertrauensarbeitszeit gewinnt jeder Beschäftigte ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, aber gleichzeitig auch viel Freiheit und Flexibilität am Arbeitsplatz. Im Fall der Vertrauensarbeitszeit gilt also definitiv nicht das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Dieses Vertrauensmodell eignet sich sehr gut für Arbeitnehmer, die flexible Strukturen brauchen und Projekte oder Aufgaben unabhängig und selbstständig umsetzen können.
Beispiele sind: Entwicklungsingenieure, die Kreativbranche oder Außendienstler. Sobald feste Präsenzzeiten gelten – wie in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, im Einzelhandel oder im Schichtbetrieb – ist Vertrauensarbeitszeit nicht möglich.

Das Wichtigste zur Vertrauensarbeitszeit auf den Punkt gebracht

  • Keine betriebliche Zeiterfassung
  • Es existiert in der Regel keine Kernarbeitszeit.
  • Manche Unternehmen geben aber einen bestimmten Zeitrahmen vor, innerhalb dessen Grenzen gearbeitet wird
    (z. B. von 7:00 Uhr bis 20 Uhr)
  • Regelungen des Arbeitszeitgesetzes gelten weiterhin

Wie läuft Vertrauensarbeitszeit in der Praxis?

Die Pflicht des Arbeitnehmers besteht darin, alle Arbeiten zuverlässig und in angemessener Zeit zu erfüllen. Er ist selbst dafür zuständig, seine Arbeitszeiten einzuteilen und diese für sich aufzuzeichnen. Denn: Überstunden werden bei diesem Zeitmodell nicht ausgezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen. Liegt weniger Arbeit als normalerweise vor, kann der Arbeitnehmer früher in den Feierabend starten. Im Umkehrschluss arbeitet er dagegen bei größerem Arbeitsaufkommen wieder länger. In der Regel gleicht sich das Verhältnis zwischen Minusstunden und Überstunden aus. Dennoch sollte der Arbeitnehmer seine Arbeitszeiten stets im Blick behalten oder auch erfassen, insbesondere dann, wenn sie über die im Arbeitsvertrag vereinbarten Zeiten hinausgehen.

Für den Arbeitgeber zählt dagegen allein das Arbeitsergebnis. Wie genau und wann sein Mitarbeiter die Arbeitsaufgaben im Unternehmen erledigt, stehen für ihn nicht zur Debatte. In dieser Hinsicht „vertraut“ er – wie das Wort Vertrauensarbeitszeit bereits anzeigt – seinen Arbeitnehmern voll und ganz.

Beide Parteien – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – sollten jedoch die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten im Hinterkopf behalten. Die rechtliche Verantwortung zur Einhaltung von arbeitsrechtlichen Regelungen liegt beim Arbeitgeber, sodass er sich letzten Endes bei einem Verstoß gegen Höchstarbeitszeiten, Mindestpausen oder Ruhezeiten strafbar macht.

Vertrauensarbeitszeit – ja oder nein?

Vertrauen ist nicht immer leicht. Doch Vertrauen zahlt sich meistens aus – so eben auch im Arbeitsleben. Tatsächlich ist es ein Geben und Nehmen und für alle Beteiligten – Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer – bringt dieses Arbeitszeitmodell viele Vorteile. Im Folgenden haben wir für Sie unterschiedliche positive Aspekte aber auch Nachteile zusammengestellt, die mit der Vertrauensarbeitszeit einhergehen können.

Die Vorteile für Arbeitnehmer

Nachteile aus Sicht der Arbeitnehmer

Die Vor- und Nachteile für Arbeitgeber

So profitieren Unternehmen

Nachteile auf Arbeitgeberseite

Was muss ich beachten, wenn ich Vertrauensarbeitszeit einführe?

Sie sollten sich klarmachen, dass Vertrauensarbeitszeit nicht heißt, dass jeder Beschäftigte frei nach Belieben arbeiten kann. Die Arbeitsqualität, der Service am Kunden und diverse weitere Faktoren, die letzten Endes über den Erfolg Ihres Unternehmens bestimmen, müssen unbedingt gewährleistet werden. Gleichzeitig ist es wichtig, die gesetzlichen bzw. tarifvertraglichen Regeln in Bezug auf Ihr Personal einzuhalten.

Umso wichtiger ist es, vorab klare Bestimmungen vorzugeben. Schließlich wollen Sie nicht, dass die positiven Aspekte der Vertrauensarbeitszeit hinten raus zu einem schlechten Betriebsklima oder einem Leistungsabfall ihres Unternehmens führen. Daher sollten Sie als Unternehmensleitung die neuen Gegebenheiten und Voraussetzungen gemeinsam mit Ihrem Betriebsrat strategisch durchdenken und insbesondere folgende Fragen berücksichtigen: 

  • Wie gewährleisten Sie die Einhaltung von Mindestpausen und Höchstarbeitszeit?
  • Wie dokumentieren Mitarbeiter geleistete Überstunden, um für sich den Überblick zu behalten?
  • Gibt es eine Meetingstruktur, damit Teamabsprachen leichter laufen. Eventuell sind regelmäßige, fixe Teammeetings sinnvoll?
  • Wollen Sie einen Zeitrahmen definieren, um dem Gefühl der ständigen Erreichbarkeit Ihrer Mitarbeiter vorzubeugen?

Wie wäre es mit einer Kernarbeitszeit?

Die Vertrauensarbeitszeit funktioniert hevorragend mit vorab geregelten Kernzeiten, innerhalb deren Grenzen Ihre Mitarbeiter die Arbeitszeit frei einteilen. Sie geben die Zeitblöcke vor und sorgen gleichzeitig dafür, dass gesetzliche Ruhezeiten nicht unterschritten werden oder bis zur Belastungsgrenze gearbeitet wird. Die Kernarbeitszeit dient außerdem dazu, Absprachen im Team zu erleichtern und das Miteinander unter den Kollegen zu fördern. Die Kombination der flexiblen Vertrauensarbeitszeit plus einer definierten Kernzeit ist mittlerweile weit verbreitet.

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