Frau arbeitet im Büro - Gleitzeit

Arbeitszeitmodell Gleitzeit

Die flexible Regelung der gesetzlichen Arbeitszeit

Lesezeit: 14 Minuten
Frau arbeitet im Büro - Gleitzeit

Arbeitszeitmodell Gleitzeit

Die flexible Regelung der gesetzlichen Arbeitszeit

Lesezeit: 14 Minuten

geschrieben am 25. Februar 2021

Starre Arbeitszeitmodelle machen es Arbeitnehmern oft schwer, neben dem Vollzeitjob private oder persönliche Aufgaben zu erfüllen. So werden Arztbesuche, Behördengänge oder der Friseurbesuch zum Balanceakt. Das Gute: Immer mehr Arbeitgeber ermöglichen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle – am weitesten verbreitet: Die Gleitzeit.

Diese flexible Form des Zeitmanagements bietet sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern viele Vorteile. Was genau sich hinter dem Begriff „Gleitzeit“ verbirgt, ob dennoch Überstunden gemacht werden dürfen und welche Vorteile für beide Parteien mit diesem Zeitmodell einhergehen, erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

Das Wichtigste im Überblick

  • Gleitzeit heißt: Es gibt keine festen Arbeitszeiten
  • Der Arbeitgeber definiert einen Tagesstart sowie einen Endzeitpunkt
  • Dieser zeitliche Rahmen dient den Mitarbeitern als Orientierung, innerhalb dessen Grenzen sie frei und flexibel arbeiten können
  • Es kann eine Kernarbeitszeit, in der alle Beschäftigten im Unternehmen sind, festlegt werden
  • Ist ein Betriebsrat im Unternehmen, hat dieser grundsätzlich ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf die Gleitzeitregel

Was bedeutet Gleitzeit?

Früh kommen, später gehen – am folgenden Arbeitstag genau andersrum; so kann ein Auszug eines Gleitzeitmodells aussehen. Der Mitarbeiter ist dabei nicht mehr an feste Arbeitszeiten gebunden, sondern es wird ein Gleitzeitrahmen festgelegt, der den frühesten Arbeitszeitbeginn und das späteste Ende definiert. Das Ganze unter Berücksichtigung von Kernzeiten und gesetzlichen Mindestpausen, sowie einer maximalen täglichen Arbeitszeit von 10 Stunden.

Bei der gleitenden Arbeitszeit gibt es also keine starren zeitlichen Vorgaben. Stattdessen ermöglicht Gleitzeit den Angestellten einen Spielraum, in dem sie sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen. Sie entscheiden frei, flexibel und je nach Arbeitsaufwand, wann sie die Arbeit aufnehmen und ihren Feierabend einläuten. Die vertraglich vereinbarte Soll-Arbeitszeit ist selbstverständlich zu beachten.

Bei der Gleitzeit liegt es in der Verantwortung des Arbeitsnehmers, Arbeitstermine oder Kundenmeetings einzuhalten und seine zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen. Darüber hinaus gibt es in Unternehmen oftmals einen vom Arbeitgeber definierten Zeitraum – die sogenannte Kernarbeitszeit – in dem jeder Beschäftigte pro Tag vor Ort sein muss. Eine solche Zeitspanne besteht zum Beispiel von 10 bis 15 Uhr.

Das Besondere der Gleitzeitregelung

Zwang eines gemeinsamen Arbeitsbeginns sowie Endes der Arbeit aller Angestellten existiert nicht.

Wie flexibel ist Gleitzeit wirklich?

Die gleitende Arbeitszeit macht flexibel und fördert dadurch die Work-Life-Balance des Mitarbeiters. Sie bedeutet jedoch nicht, dass jeder einfach arbeiten kann, wann er möchte. Auch hier gibt es Regeln, die der Angestellte einzuhalten hat:

Arbeitszeiterfassung & das Modell der Gleitzeit

Das Gleitzeitmodell eignet sich hervorragend zur Kombination mit einer digitalen Arbeitszeiterfassung. Durch ein solches System behalten Arbeitgeber und Arbeitnehmer die geleistete Arbeitszeit jederzeit im Blick. Die eingebuchten Zeiten errechnen sich minutengenau und die daraus resultierende Differenz wird als Gleitzeitsaldo im Arbeitszeitkonto aufgeführt. Auch Überstunden werden kontinuierlich erfasst und nehmen so nicht überhand. Jeder Vorgesetzte ist permanent über die Leistungen seines Teams im Bilde und kann gegebenenfalls in die Planung und Gestaltung der Arbeitstage eingreifen.

Die Mitarbeiter buchen sich entweder online, per Zutrittskarte oder Chip am Zeiterfassungsterminal in die Software ein. Das System trackt schließlich alle absolvierten Plusstunden wie auch angefallene Minusstunden. Weiterhin bietet die Online-Zeiterfassung die Möglichkeit, Urlaubstage zu planen, Korrekturbuchungen vorzunehmen und zeigt Krankheits- bzw. Fehlzeiten an.

Auswertungen können mit wenigen Mausklicks durch Management oder Personalabteilung erstellt werden und bieten eine optimale Übersicht. Über entsprechende Protokolle kann das Gleitzeitguthaben im Zeiterfassungssystem chronologisch und lückenlos nachverfolgt werden.

Gleitzeit aus Sicht des Arbeitgebers

Vorteile

  • Angebot eines attraktiven Zeitmodells für seine Mitarbeiter
  • Leicht zu überblicken, geringer Verwaltungsaufwand
  • Sehr gut auch für verschiedene Abteilungen geeignet
  • Vertrauen in Arbeitnehmer
  • Zeitlicher Spielraum innerhalb der Abteilung
  • Die Arbeitszeit kann nach Auftragslage oder saisonalen Anforderungen angepasst werden.
  • Flexibilität der Arbeitnehmer minimiert Fehlzeiten
  • Freiheiten in der Arbeitsgestaltung fördert die Motivation des Teams

Nachteile

  • Das Gleitzeit-Modell ist nicht für alle Unternehmensbereiche geeignet
  • Absprachen unter den Kollegen nehmen möglicherweise zu
  • Arbeitszeiterfassung erforderlich
  • Die Gleitzeitregelung ist schriftlich zu definieren
  • Betriebsrat ist einzubinden
  • Unzufriedenheit in Abteilungen in denen ein anderes Zeitmodell gilt

Gleitzeit für Arbeitnehmer

Vorteile

  • Selbstbestimmte Einteilung der Arbeitszeit
  • Flexibel in der Organisation von beruflichen To-Do´s und persönlichen Terminen
  • Stress und Eile beim Arbeitsweg fallen weg
  • Überstunden können eigenständig reguliert werden
  • Höhere Arbeitsmotivation durch gewonnene Freiheiten
  • „Frühe Vögel“ und „Langschläfer“ können ihrem natürlichen Tagesrhythmus gerecht werden.

Nachteile

  • Eigenverantwortung in Bezug auf einzuhaltende Arbeitszeit
  • Vermehrte Absprachen unter den Kollegen sind erforderlich
  • Kollegen sind schwieriger zu erreichen
  • Das Gleitzeitmodell eignet sich nicht für alle Abteilungen
  • Eigenmotivation bei erhöhtem Arbeitsaufkommen

Was ist ein Gleittag?

Eintrag freier Tag im Kalender Gleittag

Der Gleittag bedeutet letzten Endes nichts anderes, als der Freizeitausgleich für geleistete Überstunden. In Betrieben, in denen nach Gleitzeit gearbeitet wird, kommt es vor, dass Arbeitnehmer aufgrund von einem größeren Arbeitsaufkommen über einen bestimmten Zeitraum Überstunden aufbauen. Damit sie nicht gezwungenermaßen kürzere Arbeitstage einlegen müssen, um diese zusätzlich aufgebauten Stunden wieder abzubauen, gibt es den sogenannten Gleittag. Sie nehmen mit Zustimmung Ihres Vorgesetzten einen Tag „überstundenfrei“.

Wann und in welchem Ausmaß Gleittage vom Arbeitnehmer genommen werden können, ist in der Regel in einer Dienst- oder Betriebsvereinbarung sowie im Arbeitsvertrag festgelegt.

Was müssen Betriebe bei der Einführung beachten?

Wichtig für Unternehmen mit Betriebsrat: Wenn Sie Gleitzeit in Ihrem Betrieb einführen möchten, muss der Betriebsrat dieser neuen Form zustimmen. Außerdem sollten Sie über eine Möglichkeit zur Arbeitszeiterfassung für Ihre Mitarbeiter nachdenken. So machen Sie es sich selbst und Ihren Angestellten leichter, den Überblick über alle absolvierten Stunden zu behalten.

Sobald Sie eine Arbeitszeiterfassung verwenden, muss ein Absatz im Arbeitsvertrag dies festhalten. Alternativ ist auch ein Hinweis in Ihrer Betriebsvereinbarung möglich, der dann im Arbeitsvertrag erwähnt wird. Beachten Sie hierzu mögliche rechtliche Neuerungen zur Arbeitszeiterfassung aufgrund des EuGH Urteils von 2019. Nähere Infos rund um das Urteil des EuGHs finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema.

Kennen Sie bereits das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Thema Erfassung von Arbeitszeiten?

Alle Informationen hierzu finden Sie in unserem Ratgeber „EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung“.
Bild Ratgeber

Kennen Sie bereits das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Thema Erfassung von Arbeitszeiten?

Alle Informationen hierzu finden Sie in unserem Ratgeber „EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung“.

Welche Punkte enthält eine Vereinbarung zur Gleitzeit in der Regel?

Ähnlich einem normalen Vertrag enthält die Gleitzeitvereinbarung u. a. für wen welche konkreten Regeln zur flexiblen Arbeitszeit gelten. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • der Rahmen der Kernarbeitszeit
  • die Start- bzw. Endzeiten in deren Grenzen sich die Mitarbeiter mit ihrer täglichen geregelten Arbeitszeit bewegen können
  • die wöchentliche Höchstarbeitszeit
  • eine Regelung, wie Überstunden abzubauen sind
  • die Grenze möglicher Überstunden

In Unternehmen mit Betriebsrat muss dieser zur Beratung über die Gleitzeitvereinbarungen hinzugezogen werden.

Welche Varianten bietet das Gleitzeitmodell?

Gleitzeit vs. Vertrauensarbeitszeit

Während bei den unterschiedlichen Varianten der Gleitzeit, die absolvierten Sollstunden auf unterschiedliche Art und Weise erfasst und überprüft werden, kontrolliert bei dem Modell der Vertrauensarbeitszeit niemand die täglich absolvierte Arbeitsleistung. Durch das Urteil des Europäsischen Gerichtshofs aus 2019 ändert sich dies zukünftig, da eine Aufzeichnung der Arbeitszeit zur Pflicht für den Arbeitgeber wird.

BEISPIEL

Sven ist Teamleiter im Kundenservice einer Druckerei. Telefonische Beratungen finden in erster Linie zwischen 9 und 12  sowie 13 – 16 Uhr statt. Aus diesem Grund hat Sven mit seinem Team ausgemacht, dass in der Kernzeit 9 – 16 Uhr mindestens zwei Mitarbeiter im Büro anwesend sein müssen. Außerhalb dieser Zeiträume kann jedes Teammitglied frei wählen, wann es anfängt zu arbeiten und wann es den Feierabend einläutet. Wichtig ist nur, dass die Arbeit erledigt wird und alle auf ihre Stundenanzahl kommen

Sven ist Teamleiter im Kundenservice einer Druckerei. Telefonische Beratungen finden in erster Linie zwischen 9 und 12  sowie 13 – 16 Uhr statt. Aus diesem Grund hat Sven mit seinem Team ausgemacht, dass in der Kernzeit 9 – 16 Uhr mindestens zwei Mitarbeiter im Büro anwesend sein müssen. Außerhalb dieser Zeiträume kann jedes Teammitglied frei wählen, wann es anfängt zu arbeiten und wann es den Feierabend einläutet. Wichtig ist nur, dass die Arbeit erledigt wird und alle auf ihre Stundenanzahl kommen

Schon seit Längerem gibt es in der Druckerei, in der Sven beschäftigt ist, eine Online-Zeiterfassung. Sein Team arbeitet hier nach dem Gleitzeitmodell inklusive Funktionszeit. Alle Mitarbeiter loggen sich zum Start in den Arbeitstag ein und beim Verlassen des Betriebs wieder aus. Die geleisteten Stunden werden kontinuierlich vom System erfasst. Jeder Angestellte weiß dadurch genau, ob er Überstunden oder Minusstunden gemacht hat oder seine Zeiten genau passen.

Schon seit Längerem gibt es in der Druckerei, in der Sven beschäftigt ist, eine Online-Zeiterfassung. Sein Team arbeitet hier nach dem Gleitzeitmodell inklusive Funktionszeit. Alle Mitarbeiter loggen sich zum Start in den Arbeitstag ein und beim Verlassen des Betriebs wieder aus. Die geleisteten Stunden werden kontinuierlich vom System erfasst. Jeder Angestellte weiß dadurch genau, ob er Überstunden oder Minusstunden gemacht hat oder seine Zeiten genau passen.

Der Vorteil für Sven´s Team: Persönliche Termine können dank der flexiblen Gleitzeiten einfacher organisiert werden.

Der Vorteil für Sven´s Team: Persönliche Termine können dank der flexiblen Gleitzeiten einfacher organisiert werden.

Gleitzeit – Das Arbeitsmodell für …

…mehr Mitarbeiterzufriedenheit

Viele Beschäftigte kennen das. Sie wohnen außerhalb und pendeln in die nächstgrößere Stadt. Öffentliche Verkehrsmittel oder die Rushhour machen den Weg zur Arbeit und nach Hause oftmals anstrengend und stressig. Hinzu kommen persönliche Termine, wie der Arztbesuch, Besorgungen oder der Gang zur Bank, zum Steuerberater oder Friseur.

Nun gibt es mit der Gleitzeit ein Arbeitszeitmodell, bei dem es nicht auf die Minute ankommt. Stattdessen gewinnt der Arbeitnehmer ein neues Maß an Freiheit und Selbstbestimmtheit, das ihn seine Termine – beruflich wie privat – flexibel gestalten lässt.

Eine Struktur des Arbeitstages bietet ihm die vom Arbeitgeber festgelegte Kernarbeitszeit. Diese ist meistens so gelegt, dass es unproblematisch ist, jeden Tag in diesem Zeitrahmen am Arbeitsplatz anwesend zu sein.

Mitarbeiter genießen durch die gewonnene Eigenverantwortung ein ganz anderes Vertrauen ihres Arbeitgebers.

Zufriedene Mitarbeiter      Ratgeber Gleitzeit - 2 Mitarbeiter am PC

…eine höhere Bereitschaft für Mehrleistung in Ausnahmefällen

Hand in Hand mit der größeren Flexibilität für Arbeitnehmer geht oft eine Mehrleistung in Fällen von saisonalen Arbeitspeaks oder z.B. einer Krankheitsvertretung einher. Liegt ein solcher Fall vor, erfordern es die zusätzlichen Aufgaben die tägliche Arbeitszeit in diesen Ausnahmesituationen zu verlängern – selbstverständlich unter Berücksichtigung der per Gesetz festgelegten Höchstarbeitszeiten pro Tag.

Gerade dann, wenn im Unternehmen Lieferfristen einzuhalten sind oder andere zeitkritische Projekte bzw. Aufträge abgeschlossen werden müssen, ist vom Arbeitnehmer ein Entgegenkommen erforderlich. Arbeitnehmer sollten in diesem Zeitmodell selbst darauf achten, dass ihre Arbeitszeiten auf Dauer gesehen nicht zu viel oder zu wenig sind.

Entscheidend ist: Beide Parteien – Arbeitgeber wie Arbeitnehmer – gewinnen beim Arbeitszeitmodell der Gleitzeit, solange sich Leistung und Freiheiten die Waage halten.

Kennen Sie die Vorschriften zu Mindestpausen?

Alle Informationen hierzu finden Sie in unserem Ratgeber „Gesetzliche Pausenregelung“.
Bild Ratgeber

Kennen Sie die Vorschriften zu Mindestpausen?

Alle Informationen hierzu finden Sie in unserem Ratgeber „Gesetzliche Pausenregelung“.

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