Was ist Betriebsdatenerfassung? BDE einfach erklärt

Definition, Vorteile und Systeme für die Fertigung.

Veröffentlicht: 05.04.2023

Aktualisiert: 14.04.2026

Lesezeit: 11 Minuten

Definition: Was bedeutet BDE?

„BDE“ ist die Abkürzung für die „Betriebsdatenerfassung“. In diesem Artikel erklären wir die Betriebsdatenerfassung (BDE) einfach und verständlich – von der Definition bis zu den Einsatzbereichen in der Produktion. Gemeint ist damit die Erfassung von Ist-Daten, die bei der Wertschöpfung im Betrieb anfallen, zum Beispiel Maschinenlaufzeiten, Stückzahlen, Lagerbestände und Arbeitszeiten. Im Fokus steht ein Produktionsprozess mit mehreren Arbeitsschritten. Der Begriff ist vor allem im produzierenden Gewerbe gebräuchlich.

Unterschied: BDE vs. MDE

„MDE“ ist die Abkürzung für die Maschinendatenerfassung, ein Teilgebiet der Betriebsdatenerfassung. Hier geht es um das direkte Erfassen von Maschinendaten an Maschinen wie beispielsweise Laufzeiten und Stillstände. Im Fokus steht die Prozessoptimierung in der Fertigung.

Die MDE erfasst somit weniger Daten als die BDE.

Unterschied: BDE vs. MES

„MES“ ist die Abkürzung für Manufacturing Execution System. Ein MES bezeichnet eine Systemlandschaft zur Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen auf operativer Ebene. Zu den möglichen Bestandteilen eines MES zählen unter anderem die Betriebsdatenerfassung (BDE), die Maschinendatenerfassung (MDE), Qualitätssicherung sowie Werkzeuge zur Feinplanung und Auftragssteuerung.

In der Praxis werden diese Aufgaben häufig modular umgesetzt. Die eigentliche Feinplanung und Reihenfolge­steuerung von Aufträgen erfolgt dabei über einen Fertigungsleitstand, der BDE‑Daten wie Auftragsstatus, Bearbeitungszeiten und verfügbare Kapazitäten zusammenführt und für die operative Produktionsplanung nutzbar macht.

Auf dieser Basis lassen sich Produktionsabläufe strukturiert steuern: Arbeitsschritte können in eine feste Reihenfolge gebracht werden, Aufträge priorisiert und Abhängigkeiten zwischen einzelnen Prozessschritten definiert. Ebenso können Mindestmengen oder Fertigstellungsgrade als Voraussetzung für nachgelagerte Arbeitsschritte festgelegt werden.

Welche Arten von Betriebsdaten gibt es?

Bei der Betriebsdatenerfassung werden immer IST‑Daten erfasst. Diese ermöglichen eine mitlaufende (Nach‑)Kalkulation. Die erfassten Daten werden dabei immer Verbrauchern zugeordnet, etwa Arbeitsschritten, Abteilungen oder Kostenstellen. So liefert die Betriebsdatenerfassung die notwendige Datenbasis für ein effektives Controlling und für die Weiterverarbeitung der Produktionsdaten – beispielsweise durch die Integration in ERP‑Systeme.

Auf dieser Grundlage lassen sich Prozesse, Lagerbestände und einzelne Arbeitsschritte gezielt analysieren und optimieren. Bei den erfassten Daten unterscheidet man zwischen organisatorischen Betriebsdaten und technischen Betriebsdaten.

Organisatorische Betriebsdaten

Auftragsdaten

  • Auftragszeiten und -mengen
  • Status einzelner Aufträge
  • Rückmeldungen

Personaldaten

  • Arbeitszeiten
  • ggf. Produktivität / Zuordnung zu Menge, z.B. bei Akkordlohn

Technische Betriebsdaten

Maschinendaten / Arbeitsplatzdaten

  • Maschinenlaufzeit
  • Stillstand
  • Leistung und Stückzahl
  • Wartungen
  • Störungsmeldungen
  • Energieverbrauch und Emissionswerte

Prozessdaten

  • Qualitätsmerkmale, in einigen Betrieben separat oder bei den Maschinendaten inkludiert
  • Einstelldaten
  • Prozessparameter, z.B. Druck und Temperatur

Werkzeugdaten

  • Wartung
  • Stillstand
  • Nutzungszeit
  • Defekte, ggf. Nutzungszyklen

Materialdaten

  • Lagerorte
  • Bestände
  • Menge
  • Gewicht
  • Volumen
  • Preise
  • Ggf. zusätzliche Eigenschaften

Wie profitieren Unternehmen von der BDE?

Dass eine gute Datenbasis einem Unternehmen viele Vorteile bringt, ist heute klar. Doch wofür genau lassen sich Betriebsdaten nutzen? Zum Beispiel, um die Fehlerquote in der Produktion zu senken und die Qualität zu steigern, indem nach jedem Produktionsschritt eine Qualitätskontrolle stattfindet oder zumindest nach den Arbeitsschritten, die laut Datenbasis den größten Ausschuss produzieren.

Die Betriebsdatenerfassung kann aber auch genutzt werden, um Termineinhaltungen zu gewährleisten und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das sind natürlich nur einige der Vorteile, die eine umfassende, fehlerfreie BDE hat.

Kurzfristige Vorteile

  • Echtzeit-Monitoring über den aktuellen Auftragsfortschritt mit den produzierten Stückzahlen
  • Ressourcenplanung via ERP-System: exakte Kostenrechnung, detaillierte Nachkalkulation
  • Sofortiger Eingriff bei Abweichungen möglich
  • Mitarbeiter erhalten schnelle Übersicht über einzelne Aufträge und deren Status
  • Mitarbeiter können Arbeitsanweisungen etc. direkt an der Maschine abrufen
  • Entlastung der Mitarbeiter durch automatische Datenerfassung
  • Verlässliche Daten für andere Systeme, z.B. Lohnberechnung bei Akkordlohn

Langfristige Vorteile

  • Voraussetzungen für Planung und Steuerung mit Industrie 4.0
  • Vielfältige Auswertungen, wie Nachkalkulationen, Fertigungsnachweise, etc.
  • Verbesserte Personalplanung für effizienteres Arbeiten
  • Detaillierte Analyse von Störungen
  • Berechnung der Overall Equipment Effectiveness, kurz OEE
  • Ausfälle/Stillstände vermeiden
  • Maschinenauslastung optimieren
  • Ermöglicht SOLL/IST-Vergleich zur Identifizierung von Schwachstellen
  • Produktivität erhöhen, Durchlaufzeiten senken

Wie werden Betriebsdaten erfasst?

Früher war es umständlich, Betriebsdaten zu erfassen. Manuell mussten zum Beispiel Arbeits- und Projektzeiten auf Karten notiert und gesammelt werden. Das war fehleranfällig und noch dazu langsam und damit unwirtschaftlich. Dazu kommt, dass manche Daten aus Maschinen damals noch gar nicht auslesbar waren.

Heute findet die Betriebsdatenerfassung in der Regel digital statt. Über Terminals, mobile Endgeräte oder Scanner lassen sich die entsprechenden Daten direkt erfassen und speichern – häufig in Kombination mit einer digitalen Zeiterfassung, die Arbeits‑ und Auftragszeiten strukturiert bereitstellt.

Wie viele Erfassungsgeräte es gibt und welcher Art, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Großbetriebe arbeiten in der Regel mit Maschinenterminals, Bereichsterminals sowie Gruppenrechnern und einem leistungsstarken Leitrechner, der die Erfassung steuert. Kleinere Betriebe kommen mit ein paar Terminals und Handscannern für RFID-Signale und / oder Barcodes aus.

Die BDE-Erfassungssysteme werden mit Ihrem ERP-System sowie dem zentralen Produktionsplanungs- und Steuerungssystem (PPS) oder einem externen BDE/MES-System verbunden. Dort werden die Daten zentral verwaltet und die einzelnen Aufträge erstellt, geplant und berechnet.

Manche Betriebe pflegen auch noch eine Mischform, die digitale und manuelle Erfassungsmethoden kombiniert, damit nichts verloren geht. Wichtig ist, dass das Erfassungssystem auf den eigenen Betrieb abgestimmt ist. Nur dann gibt es weder Erfassungslücken noch eine zu hohe Kapitalbindung.

Vor der Implementierung eines BDE-Systems

Um ein BDE-System zu implementieren, das zu Ihrem Betrieb passt und für Sie arbeitet, müssen Sie sich zuvor einige Gedanken machen:

Welche Kennzahlen werden aktuell erfasst? Können Sie mit dieser Datenbasis gut arbeiten? Gibt es offene Fragen? Ist letzteres der Fall, müssen Sie nacharbeiten und im ersten Schritt festlegen, welche Kennzahlen Sie brauchen, um Ihren Betrieb optimieren zu können. Bedenken Sie, dass Sie die Kennzahlen langfristig konsistent und zuverlässig überwachen können sollten.
Nachdem Sie Ihre Kennzahlen aufgelistet haben, sollten Sie diese einzelnen Arbeitsschritten und Kostenstellen zuordnen. Überlegen Sie sich zudem, ob Sie die Reihenfolge von Arbeitsschritten festlegen und verriegeln wollen. Das heißt, dass Schritt zwei zum Beispiel erst begonnen werden kann, wenn Schritt eins abgeschlossen ist.

Auf Basis der ermittelten Kennzahlen, fassen Sie nun zusammen, welche Schnittstellen das von Ihnen ausgewählte BDE-System mitbringen muss. In der Regel sind das EPS- und PPS-Systeme.

Welche Systeme nutzen Sie aktuell in diesen Bereichen? Welches System muss mit welchem verbunden werden, um die optimale Datenbasis zu schaffen? Stellen Sie sich diese Fragen. Bedenken Sie auch die Hersteller-Software von Produktions- und Fertigungsmaschinen.

Überlegen Sie sich anschließend, wie die Daten in die Systeme kommen. Was für unterstützende Hardware benötigen Sie und was davon haben Sie bereits? Terminals zur Zeiterfassung, Handscanner zur Entnahme von Materialien aus dem Lager? Manchmal kann unterstützende Hardware auch helfen, Daten zu erfassen, zu denen es keine passende Schnittstelle gibt.

Überlegen Sie sich zudem, in welcher Situation die Daten erfasst werden. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel mehrere Maschinen bedient, wäre ein mobiles Endgerät zur Erfassung gegebenenfalls besser geeignet, als ein Terminal je Maschine.

Beziehen Sie Mitarbeiter bei diesen Überlegungen mit ein und fragen Sie, was ihnen helfen würde, produktiver zu arbeiten. So sind die Mitarbeiter später offen, wenn es um die Einführung eines neuen Systems geht und sehen schnell, wie es ihnen hilft. Zudem fühlen sie sich gehört und verstanden.

Mit Ihrem Anforderungskatalog ausgestattet, suchen Sie sich nun ein passendes BDE-System. Worauf Sie dabei achten sollten, erklären wir jetzt.

Was sollte ein BDE-System können?

Welche Anforderungen die Software für Ihr BDE-System erfüllen muss, ist natürlich individuell. Dennoch gibt es ein paar allgemeine Merkmale, über die jedes BDE-System verfügen sollte.

Anforderungen an ein BDE-System

  • Moderne Software, regelmäßige Updates
  • Mobil abrufbar
  • Webbasiert
  • Intuitive Bedienbarkeit
  • Zuverlässige Datenverschlüsselung
  • Fehlerfreie Datenerfassung
  • Integrierte Plausibilitätsprüfung, um Fehleingaben zu vermeiden
  • Flexibel an Bedürfnisse anpassbar, z. B. als modulares System
  • Kompatibel mit vorhandenen Systemen, z. B. via Schnittstellen
  • Kompatibel mit unterstützender Hardware

Welche Hardware sollte das BDE-System unterstützen?

Auch heute lässt sich noch nicht jeder Datensatz digital erfassen. Wir empfehlen dennoch, auf die manuelle Datenerfassung zu verzichten, wo es nur geht. Wer an unterstützender Hardware spart, um Geld zu sparen, spart am falschen Ende. Hier deshalb ein kleiner Überblick über unterstützende Hardware, die es heute auf dem Markt gibt. Achten Sie darauf, dass Ihr BDE-System mit den Erfassungsgeräten kompatibel ist.

Hardware für Ihr BDE-System:

  • Industrietaugliche Terminals
  • RFID-Tags
  • RFID/QR-Code/Barcode-Scanner
  • Mobile Endgeräte
  • Sensoren

Einführung im Betrieb

Um das BDE-System problemlos im Betrieb einzuführen, sollten Sie Ihre Mitarbeiter bereits möglichst früh im Prozess mitnehmen. So ist sichergestellt, dass die Software den Mitarbeitern später auch hilft. Zudem sind diese bereits auf die Veränderung vorbereitet. Sie sollten außerdem aufzeigen, wie die Software die Mitarbeiter konkret bei Ihrer Arbeit unterstützt. Das macht Lust darauf, sie bestmöglich und lückenlos zu nutzen.

Achten Sie auch darauf, dass der Hersteller Ihrer Wahl eine entsprechende Schulung für die Mitarbeiter anbietet. Entweder pro Abteilung, wenn sich die Datenerfassung stark unterscheidet, oder für alle Mitarbeiter zusammen. Je nachdem, was der Hersteller erklären kann und was Sie unternehmensspezifisches ergänzen möchten, bietet sich eine kurze Online-Schulung oder eine längere Vor-Ort-Schulung an.

Die AVERO® Betriebsdatenerfassung

Mit der AVERO® Betriebsdatenerfassung erfassen Sie Daten zu Auftragskosten, Auftragszeiten, Kostenstellen, Arbeitsplätzen und Maschinen ganz einfach digital. Sorgen Sie für eine intuitive, schnelle Datenerfassung und nutzen Sie die Daten, um Ihre Prozesse zu optimieren. Mit der AVERO® BDE liefert für Ihre Anforderungen die passenden Ergebnisse – mit vielfältigen Auswertungsmöglichkeiten und Dashboards.

  • Sammelaufträge und Mehrmaschinenbedienung
  • Flexible Akkord- und Prämienberechnung
  • Fertigungssteuerung, Produktionsplanung
  • Lohnartbezogene Auftragsentlohnung, z. B. Schmutz-/Gefahrenzulage
  • Frei definierbare Import- und Export-Schnittstellen
  • Schnittstellen zu ERP-Systemen
  • Dashboard mit allen BDE Kennzahlen
  • Detaillierte Kostenaufstellungen je Auftrag
  • Aktuelle Aufwands- und Auftragsverfolgung
  • BDE Erfassung über PC, IPC, BDE-Terminal oder Smartphone

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